Station 1Die sinkende Kerze
Auf der Fensterscheibe klebt ein rotes Dreieck. Die Kerze dahinter brennt langsam herunter, und der Schatten auf dem Boden ändert sich. Was passiert mit dem Schatten der Spitze C, wenn die Flamme tiefer sinkt als C?
Zwei Gesetze der sinkenden Kerze
Z′ ist der Fußpunkt der Flamme, z die untere Kante des Fensters (die Linie, in der Scheibe und Boden sich treffen). Egal wie hoch die Flamme steht:1. Die Schattenecken laufen auf festen Strahlen durch Z′ (Fixstrahlen). Der Schatten von C liegt immer in der senkrechten Ebene durch Flamme und C – und die schneidet den Boden in einer festen Geraden.
2. Die Schattenseiten drehen sich um feste Punkte auf z (Fixpunkte). Wo eine Dreiecksseite, verlängert, die Unterkante z trifft, liegt sie schon auf dem Boden – dieser Punkt ist sein eigener Schatten.
Sinkt die Flamme genau auf die Höhe von C, läuft der Strahl über C parallel zum Boden: C′ ist ein Fernpunkt. Danach trifft die Gerade durch Flamme und C den Boden hinter der Kerze – der Schatten geht durchs Unendliche.
Station 2Das runde Fenster
Jetzt ist das Fenster rund, mit einem Achtstern darin. Die Flamme sinkt wieder. Bleibt der Schatten des Kreises immer eine geschlossene Kurve?
Ellipse, Parabel, Hyperbel: drei Schatten eines Kreises
Alle Punkte der Scheibe, die genau so hoch liegen wie die Flamme, werden auf Fernpunkte abgebildet. Es kommt also nur darauf an, wie die Waagerechte durch die Flamme den Kreis trifft:· sie verfehlt den Kreis (Flamme höher als 3,6 oder tiefer als 0,8): kein Kreispunkt geht ins Unendliche – der Schatten ist eine Ellipse;
· sie berührt den Kreis (Flamme genau in 3,6 oder 0,8 Höhe): genau ein Punkt geht ins Unendliche – eine Parabel;
· sie schneidet den Kreis: zwei Punkte gehen ins Unendliche, der Schatten reißt dort auf und kommt hinter der Kerze zurück – eine Hyperbel mit zwei Ästen.
Ellipse, Parabel und Hyperbel sind also Bilder ein und desselben Kreises – eine Familie.
Monge: Die Zeichnung, die geheim bleiben musste überliefert
Station 3Ohne Kerze: zwei Gesetze genügen
Jetzt bleibt alles in einer Ebene. Gegeben sind ein Zentrum Z, eine Achse z, ein Viereck ABCD und der Bildpunkt A′ von A. Kannst du die Bilder B′, C′, D′ finden – nur mit dem Lineal?
Zentrische Kollineation
Eine Abbildung der Ebene mit einem Zentrum Z und einer Achse z heißt zentrische Kollineation, wenn gilt:1. Jeder Punkt P und sein Bild P′ liegen auf einer Geraden durch Z (Fixstrahl).
2. Jede Gerade g und ihre Bildgerade g′ schneiden sich auf z (Fixpunkt). Punkte auf z bleiben, wo sie sind.
Ein einziges Paar A → A′ legt die ganze Abbildung fest – alles andere folgt mit dem Lineal. Geraden werden wieder Geraden („kollinear“ heißt: auf einer Geraden). Längen, Winkel und Teilverhältnisse ändern sich dagegen.
Es gibt immer eine Gerade parallel zu z, deren Punkte ins Unendliche abgebildet werden: die Fluchtgerade. Bei der Kerze war das die Waagerechte durch die Flamme.
Station 4Kreis-Metamorphose
Ein Achtstern im Kreis. Das Zentrum Z liegt in der Kreismitte, die Achse z darunter. Die obere Spitze T wird auf T′ abgebildet, und T′ wandert nach oben – bis ins Unendliche und darüber hinaus. In welche Formen verwandelt sich der Kreis?
Eine Metamorphose
Alle Bildfiguren gehen stetig auseinander hervor: Es ist eigentlich eine Figur, die sich verwandelt. Entscheidend ist die Fluchtgerade:· Sie trifft den Kreis nicht → Ellipse (am Anfang ist sie unendlich fern: dann bleibt der Kreis ein Kreis).
· T′ im Unendlichen → die Fluchtgerade berührt den Kreis in T → Parabel. Der Stern berührt mit einer Spitze die Ferngerade.
· T′ kommt von unten zurück → die Fluchtgerade schneidet den Kreis → Hyperbel. Der Stern erstreckt sich über die Ferngerade hinweg.
Erreicht T′ schließlich die Achse z, fällt alles auf z zusammen. Die Bildseiten des Sterns drehen sich dabei die ganze Zeit um ihre festen Punkte auf z.
Werkzeuge: Kerze, Fenster, Schatten
Schatten (H·x : (H − z) | e·z : (H − z))
(seitlich | vor dem Fenster)
2. g und g′ schneiden sich auf der Achse z.
Knorz – eine Denkfigur
Nur eine Figur und eine Frage. Kein Text, kein Formelname – was siehst du?
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Welche Linien in der Figur sind parallel? Wo entstehen zwei ähnliche Dreiecke mit derselben Spitze?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Der Lichtstrahl geht von der Flamme über den Punkt bis zum Boden. Er fällt auf der ganzen Strecke gleichmäßig. Wie viel fällt er auf den ersten 3 Einheiten nach rechts – und wie viel Höhe muss er danach noch verlieren?Hilfe 3 – Lösung
Auf den 3 Einheiten bis zur Wand fällt der Strahl von 6 auf 4, also um 2. Bis zum Boden muss er noch 4 fallen, das ist doppelt so viel. Also braucht er doppelt so weit: x = 6.Mit dem Strahlensatz: x : 3 = 4 : (6 − 4).
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Hier ist der Schatten gegeben und die Kerze gesucht. Von welchem Punkt aus kannst du rückwärts zur Flamme denken?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Vom Schattenpunkt bis zur Wand sind es 10, dabei steigt der Strahl um 5. Wie viel steigt er dann auf den restlichen 2 bis zur Kerze?Hilfe 3 – Lösung
Auf 10 Einheiten steigt der Strahl um 5, also auf 2 Einheiten um 1. Die Flamme ist 5 + 1 hoch: x = 6.Probe: d = 2 · 5 : (6 − 5) = 10 ✓.
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Die Striche auf dem Stab teilen ihn in zwei gleiche Hälften. Teilt der Schatten der Mitte auch den ganzen Schatten in zwei Hälften?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Rechne für jeden der beiden Punkte einzeln: Um wie viel fällt der Strahl von der Flamme bis zur Wand, und wie viel Höhe muss er danach noch verlieren?Hilfe 3 – Lösung
Strahl zur Mitte: Auf den 6 bis zur Wand fällt er von 6 auf 2, also um 4. Danach fehlen noch 2, das ist die Hälfte von 4. Also x = 3.(Zum Vergleich: Der Schatten der Spitze liegt bei 6 · 4 : 2 = 12.) Die Mitte des Stabs landet also gar nicht in der Mitte des Schattens – beim Projizieren bleiben Teilverhältnisse nicht erhalten.