Station 1Die Sonnenblume
Eine Sonnenblume setzt Kern für Kern in die Mitte und schiebt die alten nach außen. Jeder neue Kern ist um denselben Winkel weitergedreht. Welcher Drehwinkel füllt die Scheibe am gleichmäßigsten – ohne Lücken?
Der goldene Winkel
Ist der Drehwinkel ein einfacher Bruchteil des Vollkreises – etwa 144° = 2/5 von 360° –, landen die Kerne nach wenigen Drehungen wieder in derselben Richtung: Es entstehen gerade Strahlen mit Lücken dazwischen.Beim goldenen Winkel 360° : φ² ≈ 137,5° passiert das nie, denn φ = 1,618… ist eine Zahl, die sich besonders schlecht durch Brüche annähern lässt. Jeder neue Kern findet eine Lücke.
Zählst du die Spiralen, erhältst du Nachbarn der Fibonacci-Folge 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55 … Bei echten Sonnenblumen findet man meist 34 und 55 oder 55 und 89 Spiralen.
Station 2Der Quotient beruhigt sich
Jedes neue Glied ist die Summe der beiden davor: 1, 1, 2, 3, 5, 8 … Teile immer ein Glied durch das vorige. Was passiert mit diesen Quotienten – und spielt es eine Rolle, mit welchen zwei Zahlen du anfängst?
Die Goldene Zahl φ
Die Quotienten springen abwechselnd über und unter einen Wert und kommen ihm immer näher:φ = (1 + √5) : 2 = 1,6180339…
Das klappt mit beliebigen positiven Startzahlen. Warum? Wenn sich der Quotient q nicht mehr ändert, gilt für drei Glieder a, b, a + b: b : a = (a + b) : b = q. Daraus folgt q = 1 + 1 : q, also q² = q + 1. Die positive Lösung dieser quadratischen Gleichung ist φ.
Auch das Rechteck aus den Quadraten nimmt immer mehr dieselbe Form an: das goldene Rechteck.
Station 3Teilen, aber wie?
Teile die Strecke AB mit dem Punkt T in ein größeres und ein kleineres Stück. Wo muss T liegen, damit sich das Ganze zum größeren Stück so verhält wie das größere zum kleineren?
Die stetige Teilung – der Goldene Schnitt
Nenne AB = 1 und das größere Stück AT = x. Dann ist TB = 1 − x und die Bedingung lautet:1 : x = x : (1 − x) ⇒ x² = 1 − x ⇒ x² + x − 1 = 0
Die positive Lösung ist x = (√5 − 1) : 2 ≈ 0,618. Bei 10 cm liegt T also bei ≈ 6,18 cm, und beide Verhältnisse sind φ ≈ 1,618. Beachte: 1 : 0,618 ≈ 1,618 – die beiden Zahlen unterscheiden sich genau um 1.
Die Konstruktion stammt aus Euklids „Elementen“ (um 300 v. Chr.). Er nannte die Teilung „nach stetigem Verhältnis“, weil man das Verfahren immer weiter fortsetzen kann: Trägt man das kleinere Stück auf dem größeren ab, wird dieses wieder golden geteilt.
Station 4Der Stern im Fünfeck
Zeichne in ein regelmäßiges Fünfeck alle Diagonalen. Es entsteht ein Stern. Wie oft steckt der Goldene Schnitt in dieser Figur – einmal, ein paar Mal oder unendlich oft?
Das Pentagramm ist voller φ
Im regelmäßigen Fünfeck mit der Seite a ist jede Diagonale d = φ · a. Die Schnittpunkte teilen jede Diagonale golden: Das längere Stück ist genau so lang wie die Fünfeckseite a, das kürzere ist a : φ.Innen entsteht wieder ein regelmäßiges Fünfeck – φ² ≈ 2,618-mal kleiner. Darin kannst du wieder einen Stern zeichnen, und so weiter ohne Ende. Darum steckt der Goldene Schnitt unendlich oft in der Figur.
Die Spitzen des Sterns haben 36°, die Fünfeckwinkel 108°. Das spitze Dreieck mit 36°, 72°, 72° heißt goldenes Dreieck.
Station 5Fahnder: Ist das wirklich golden?
Sechs Rechtecke, gleich hoch. Eins davon ist genau golden (lange : kurze Seite = 1,618…). Welches? Tipp es an – ohne zu messen.
Nicht alles, was golden aussieht, ist golden
Mit bloßem Auge kann niemand 1,6 von 1,618 unterscheiden – eine Bankkarte (85,6 mm × 54 mm, Verhältnis ≈ 1,59) sieht genauso „golden“ aus. Entscheiden kann nur das Nachmessen. Und je großzügiger die Toleranz, desto öfter „findet“ man φ – auch in reinem Zufall.Darum gilt bei Behauptungen über den Goldenen Schnitt: Wer hat nachgemessen – welche Linien – wie genau?
Pacioli und die „göttliche Proportion“ belegt
Fibonacci und der Goldene Schnitt
1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89 …
1 : φ ≈ 0,618
kleineres Stück = Ganzes − größeres
Rechnen mit φ
⇒ x² + a·x − a² = 0
x = −p/2 ± √((p/2)² − q)
Innenwinkel 108°, Sternspitze 36°
Werkzeuge für Experten
(F: Fibonacci-Zahlen)
Schenkel : Basis = φ
Knorz – eine Denkfigur
Nur eine Figur und eine Frage. Kein Text, kein Formelname – was siehst du?
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Was sagt dir die Figur, ohne dass es dasteht? Alle Teile sind Quadrate. Welche Seite des nächsten Quadrats kennst du sofort, wenn du die beiden kleinsten kennst?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Jedes neue Quadrat liegt an zwei Vorgängern an: Seine Seite ist die Summe der beiden vorigen Seiten. Fang bei 2 und 2 an.Hilfe 3 – Lösung
Quadratseiten: 2, 2, 4, 6, 10, 16. Die lange Seite besteht aus dem größten Quadrat (16) und dem zweitgrößten (10): x = 26. Das Rechteck ist 26 × 16 – fast golden: 26 : 16 = 1,625.Hilfe 1 – Denk-Baustein
Gleiche Flächen – eine Gleichung Wie lang und wie breit ist das ganze Rechteck – ausgedrückt mit x? Was ist dann gleich groß?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Das ganze Rechteck ist x hoch und x + 3 breit: x · (x + 3) = 40. Probier kleine ganze Zahlen – oder nimm die pq-Formel.Hilfe 3 – Lösung
x² + 3x − 40 = 0 ⇒ x = −1,5 + √(2,25 + 40) = −1,5 + 6,5 = 5 (die andere Lösung −8 ist keine Länge).Probe: 5 · 8 = 40 ✓