Station 1Das Fenster des Malers
Ein Maler zeichnet durch eine Glasscheibe ab, was er sieht. Am Weg stehen gleich hohe Pfähle. Ein Pfahl steht doppelt so weit weg wie ein anderer. Wie groß erscheint er auf der Scheibe?
Zentralprojektion = Strahlensatz
Die Strahlen von Spitze und Fuß des Pfahls laufen zum Auge. Scheibe und Pfahl stehen parallel, also gilt der Strahlensatz:b : H = d : D → b = H · d : D
Doppelte Entfernung heißt halbe Bildhöhe, dreifache Entfernung ein Drittel. Je weiter weg etwas ist, desto näher rückt es im Bild an die Höhe deines Auges heran. Was unendlich weit weg ist, landet genau auf der Augenhöhe: dem Horizont. Darum treffen sich die Linien der Pfahlspitzen und Pfahlfüße dort in einem Punkt – dem Fluchtpunkt.
Station 2Der Fliesenboden
Du stehst auf einem riesigen Fliesenboden mit einem hohen Pfeiler und zwei Kisten. Du gehst in die Hocke. Wohin wandert der Horizont im Bild?
Fluchtpunkte und Horizont
Alle Linien, die in Wirklichkeit parallel sind, laufen im Bild auf einen Punkt zu: ihren Fluchtpunkt. Er liegt dort, wo ein Sehstrahl aus deinem Auge in dieselbe Richtung die Bildebene trifft.Alle waagrechten Richtungen fliehen zum Horizont – und der liegt immer in deiner Augenhöhe. Gehst du in die Hocke, gehen Horizont und Auge zusammen nach unten; im Bild bleibt der Horizont dort, wo du geradeaus hinschaust.
Einpunktperspektive: Du schaust parallel zu den Fliesenkanten – nur die Tiefenlinien fliehen. Zweipunkt: Du schaust schräg – beide Kantenrichtungen fliehen zu F₁ und F₂ auf dem Horizont. Dreipunkt: Du kippst den Blick nach oben oder unten – dann laufen auch die senkrechten Kanten zusammen (F₃).
Station 3Bilder prüfen: ein Fluchtpunkt oder viele?
Zwei Skizzen einer Halle mit Tisch: Bild A im Stil der Maler um 1300, Bild B im Stil der Renaissance um 1500. In welchem Bild treffen sich alle schrägen Raumkanten in einem einzigen Punkt?
Fischgräte gegen Fluchtpunkt
In Bild A treffen sich immer nur zwei Linien, die spiegelbildlich liegen – und zwar auf der Mittelachse, aber in verschiedenen Höhen. Man nennt das Fischgräte. So malte zum Beispiel Duccio um 1310 sein Abendmahl: Der Raum wirkt tief, aber nicht ganz „richtig“.In Bild B laufen alle Tiefenlinien auf einen Fluchtpunkt zu, wie es die Zentralprojektion verlangt. Berühmte Beispiele sind Leonardos Abendmahl (um 1495) und Raffaels Schule von Athen (um 1510): Dort liegt der Fluchtpunkt mitten bei den Hauptfiguren – das lenkt den Blick genau dorthin.
Probier es selbst: Such dir die Bilder im Internet oder in einem Kunstbuch, druck sie aus und verlängere die Kanten von Decke, Boden und Tisch mit dem Lineal.
Station 4Fliesen konstruieren mit dem Distanzpunkt
Die Fliesenreihen werden nach hinten immer schmaler. Wie viele Reihen passen zwischen die vordere Kante und den Horizont?
Hauptpunkt, Distanzpunkt und die Kehrwert-Regel
Die Tiefenlinien laufen zum Hauptpunkt H (genau gegenüber deinem Auge). Die Diagonalen der Fliesen laufen unter 45° nach hinten – ihr Fluchtpunkt ist der Distanzpunkt D. Er liegt auf dem Horizont, und HD ist genau so groß wie dein Abstand zum Bild. Wo die Diagonale die Tiefenlinien schneidet, liegen die Querlinien.Für Reihe n gilt mit dem Strahlensatz: Abstand zum Horizont = h · d : (d + n · s)
Der Abstand wird also nie null – es passen unendlich viele Reihen bis zum Horizont. Und die Kehrwerte der Abstände wachsen in gleichen Schritten. Diese Konstruktion beschrieben die Maler der Renaissance schon um 1435 in ihren Lehrbüchern.
Brunelleschis Spiegelversuch überliefert
Bilder auf der Scheibe – der Strahlensatz
b = H · d : D
(H Größe, D Entfernung, d Abstand Auge–Bild)
Fluchtpunkte rechnen
y = m · x + c
Werkzeuge für Experten
F = (d·u/w | d·v/w)
Knorz – eine Denkfigur
Nur eine Figur und eine Frage. Kein Text, kein Formelname – was siehst du?
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Was sagt dir die Figur, ohne dass es dasteht? Die beiden senkrechten Strecken stehen parallel zwischen denselben zwei Strahlen.Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Die nahe Strecke ist 3 vom Punkt entfernt, die ferne 12 – also viermal so weit. Wie verhalten sich dann die Längen?Hilfe 3 – Lösung
Strahlensatz: x : 8 = 3 : 12, also x = 8 · 3 : 12 = 2.Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Wo sind rechte Winkel – oben und unten? Wie viele rechtwinklige Dreiecke siehst du?Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Die Strecke x ist die Höhe im großen rechtwinkligen Dreieck; 4 und 9 sind die beiden Abschnitte darunter. Kennst du einen Satz über Höhe und Abschnitte?Hilfe 3 – Lösung
Höhensatz: x² = 4 · 9 = 36, also x = 6.Bei der Zweipunktperspektive ist das genau die Rechnung „Wo stand der Maler?“: Das Auge sieht die beiden Fluchtpunkte unter einem rechten Winkel.
Hilfe 1 – Denk-Baustein
Was sagt die Figur? Die Diagonale läuft genau durch die Ecken: Die Fliesen sind in Wirklichkeit gleich große Quadrate. Die Reihen liegen also in gleichen Schritten hintereinander.Hilfe 2 – Schlüsselschritt
Der Abstand zum Horizont ist umgekehrt proportional zur Entfernung. Liegt die vordere Kante in Entfernung D, liegen die Linien bei D + s und D + 2s. Die Zahlen 12 und 6 verraten dir: D + s = 2 · D.Hilfe 3 – Lösung
12 → 6 heißt: doppelte Entfernung, also s = D. Die nächste Linie ist dreimal so weit weg wie die vordere Kante: x = 12 : 3 = 4.Mit Kehrwerten: 1/12, 1/6 = 2/12, also kommt 3/12 = 1/4 → x = 4.